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NÖBDS

Niederösterreichischer Berufsverband

Der SozialarbeiterInnen

Emeritierung von FH-Prof. Dr. DSA Karl Dvorak

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Am 25.11.2008 fand in der Fachhochschule St. Pölten im Rahmen einer sehr würdevollen akademischen Feier die Emeritierung von Karl Dvorak statt. Seine Verdienste um die Fachhochschule, sein Einsatz für die Menschenrechte, seine Leidenschaft als Sozialarbeiter und der Mensch Karl Dvorak standen dabei in den Reden ihm zu Ehren im Mittelpunkt.

DSA Mag.(FH) Sonja Kirchweger

 

Meine Rede anläßlich dieser akademischen Feier können Sie hier nachlesen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Sehr geehrte Festgäste, liebe Kolleginnen und Kollegen, lieber Karl Dvorak!

 

Es ist mir eine besondere Freude, heute hier im Rahmen dieser akademischen Feier eine Rede halten zu dürfen. Eine Rede, die einerseits meine persönliche Verbundenheit zum Ausdruck bringen wird, und andererseits die Verbundenheit von dir, Karl Dvorak, mit dem Berufsverband zum Inhalt haben wird.

Unsere erste Begegnung ist nun 25 Jahre her, ich war Studentin an der Bundesakademie für Sozialarbeit hier in St. Pölten, und du Lehrender. In den Fächern: Theoretische Grundlagen der Sozialarbeit, sozialtherapeutische Maßnahmen und im Fach Anwendungsbereiche der Sozialarbeit, Arbeit- und Berufsförderung steht deine Unterschrift neben der Note in meinem Studienhandbuch.

Unsere Wege haben sich in diesen 25 Jahren immer wieder gekreuzt, man könnte sagen, wir haben uns nie ganz aus den Augen verloren. Und letztlich im Berufsverband der Sozialarbeiterinnen immer wieder gemeinsame Themen behandelt.

Ich habe drei Themen für den heutigen Tag herausgegriffen, die mir bedeutend scheinen. Diese Bereiche sind: Weiterbildung, Ressourcen für die tägliche Arbeit und die berufliche Identität. Themenbereiche, die in der Sozialarbeit eine wesentliche Rolle spielen und die auch immer wieder unsere gemeinsamen Themen waren und auch heute noch sind. 

Und was liegt an einem Tag wie diesen näher, als einen Blick zurück in die Geschichte zu machen. Mehr oder weniger erstaunlich ist dabei, dass diese Themen aktueller denn je sind, und in den Aufzeichnungen des Berufsverbandes schon in den Anfängen der Berufsvertretung Thema waren.

Wenn wir von Weiterbildung sprechen, so können wir auf die gemeinsamen Weiterbildungsveranstaltungen zurückblicken. Mit dem Thema „Verschwiegenheitspflicht“ haben wir dich durch Niederösterreich geschickt in alle Viertel des Landes. Gern gesehen warst du auch immer bei Landestagungen zu Themen wie sexueller Missbrauch, Recht und Sozialarbeit und neue Aufgaben der Sozialarbeit.

Blicken wir zurück in die Geschichte des Berufsverbandes, und wir beginnen dabei im Jahr 1949, dem Gründungsjahr des NÖ Berufsverbandes, so waren bereits die ersten Jahre  des Verbandswesens geprägt durch das Organisieren von Studienreisen, Besichtigungen von sozialen Einrichtungen in ganz Österreich sowie durch die Abhaltung von Tagungen. Einladungen vom Berufsverband der Schweiz kamen alljährlich, doch zumeist war eine Teilnahme von Kolleginnen aus Österreich aus finanziellen Gründen nicht möglich.

In den Unterlagen findet sich unter anderem auch die Organisation einer Weiterbildung für die Fürsorgerinnen der Jugendwohlfahrt in der Kosmetik. Außendienste zu Fuß oder mit dem Fahrrad und die geringen finanziellen Mittel der Fürsorgerinnen waren Anlass für eine Weiterbildung zur Herstellung von Kosmetik sowie für die geeignete Pflege der Haut der Fürsorgerinnen.

Kommen wir zum zweiten Themenbereich, der Ressourcenfrage, so hast du immer wieder betont, wie wichtig ausreichend vorhandene Ressourcen zum Gelingen der Sozialarbeit beitragen und du selbst hast dich in weiten Teilen darum gekümmert, dass die Ressourcen für die Ausbildung der Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter vorhanden sind und verbessert werden.

Machen wir wieder einen Blick zurück in die Geschichte des Berufsverbandes, so findet wir 1953 die Unterlagen für die Bemühungen, einen Bekleidungsbeitrag für die Fürsorgerinnen zu erwirken. Es erfolgte eine schriftliche Anfrage an die Magistrate Krems, St. Pölten und Wr. Neustadt, inwieweit Bekleidungszuschüsse zur Verfügung gestellt werden.

Die Stadt Krems gab bekannt, dass es keinen Bekleidungszuschuss für Fürsorgerinnen gäbe, auch wurden keine Dienstfahräder zur Verfügung gestellt.

In Wr. Neustadt erhielten die Fürsorgerinnen ab 1.1.1953 ein Paar Schuhe mit 1-jähriger Tragedauer, einen graugrünen Schwesternmantel (Hubertus) mit 3-jähriger Tragedauer. Für die damals vier Fürsorgerinnen stand ein Dienstfahrrad zur Verfügung, zwei der Kolleginnen benützten ihr eigenes Fahrrad. Die Stadt Wr. Neustadt  übernahm alle Reparaturen des Dienstrades, für die Privaträder wurde eine jährliche Fahrradbereifung zur Verfügung gestellt.

Beim Jugendamt der Stadt St. Pölten erhielten die Fürsorgerinnen zum damaligen Zeitpunkt S 55,-  Bekleidungszuschuss monatlich, jede Fürsorgerin hatte ein Dienstrad, welches auch vom Magistrat gewartet wurde.

Nun komme ich zum dritten Bereich, der beruflichen Identität. Am 2. Februar 1955 stellt die burgenländische Vorsitzende Frau Oberfürsorgerin Anna Belajac folgende schriftliche Anfrage an die Oberfürsorgerin Josefine Bsirske, Vorsitzende von Niederösterreich:  beim  Magistrat der Freistadt Eisenstadt  war eine stellenlose Lehrerin für Schreibarbeiten eingestellt worden. Diese wollte nun auch als Fürsorgerin arbeiten, und die Anfrage galt der Möglichkeit, bei den Wiener Schulen als außerordentliche Hörerin teilzunehmen oder einzelne Kurse zu besuchen. Frau Bsirskes Antwortschreiben lies keinen Zweifel aufkommen, dass für die Tätigkeit einer Fürsorgerin eine Grundausbildung erforderlich ist und diverse Kurse ausschließlich der Weiterbildung dienen können. „Bei uns gilt der strenge Grundsatz, nur wer ein Diplom einer sozialen Frauenschule vorweisen kann, wird in den Jugendfürsorgedienst aufgenommen. … Ich rate ihnen dringend ab, Ausnahmen zu unterstützen.“

Die Frage der beruflichen Identität und der Abgrenzung zu anderen Berufsgruppen in der Sozialen Arbeit beschäftigt uns auch heute noch, ich würde fast behaupten: mehr denn je.

 

Zur Frage Deiner beruflichen Identität steht für mich fest: egal welche berufliche Rolle du innehattest, welche Funktion du ausgefüllt hast, ob du in Menschenrechtsfragen unterwegs warst oder als Studiengangsleiter aufgetreten bist, ob du Verhandlungen geführt oder Sitzungen geleitet hast: in deinem Herzen bist du immer Sozialarbeiter geblieben und jede dieser Rollen und Funktionen hast du mit diesem Wissen und diesem Selbstverständnis wahrgenommen.

Der NÖ Berufsverband der SozialarbeiterInnen hat all dies zum Anlass genommen und dich im vergangenen Jahr, also im November 2007, zum ersten Ehrenmitglied ernannt.

 

Ich habe meine Rede sehr persönlich begonnen, ich möchte sehr persönlich nun zum Abschluss kommen. Ich bin überzeugt davon, dass folgenden Satz sehr viele meiner Kolleginnen und Kollegen mit mir unterschreiben werden:

 

Wir sind uns begegnet.

Auf meinem Weg in die Sozialarbeit

Und auf meinem Weg in der Sozialarbeit

Hast DU deine Spuren hinterlassen

Für immer.

Danke, Karl Dvorak.